Schlagwort-Archive: Frauen

Buchtipp: „Sie kam aus Mariupol“ von Natascha Wodin

Die Autorin wurde 1945 in Franken als Tochter sowjetisch-ukrainischer Zwangsarbeiter geboren und hat 1956 als 10jährige den Selbstmord ihrer psychisch kranken Mutter erlebt. Erst Jahrzehnte später macht sich Natascha Wodin auf die Suche nach ihren tief in der Geschichte versunkenen Wurzeln und fördert mit viel Glück, Geduld  und Unterstützung durch einen ukrainischen Ahnenforscher Erstaunliches zu Tage: Ihre Mutter stammte aus einer wohlhabenden ukrainisch-italienischen Familie, die in den Jahren der russischen Revolution, der Zwangskollektivierungen unter Stalin und den darauf folgenden Hungerjahren Furchtbares erdulden musste. Als 23jährige wurde sie 1944 gemeinsam mit ihrem russischen Ehemann zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und blieb auch nach dem Krieg dort –  wohl, weil Überlebende der Zwangsarbeit in Russland als Kollaborateure der Nazis und damit als Volksverräter galten. Glücklicher wurde das Leben im Nachkriegsdeutschland allerdings nicht, denn die Familie wurde aufgrund ihrer Nationalität immer noch von den meisten ihrer Mitbürger verachtet.

Natascha Wodin nähert sich ihrer Familiengeschichte langsam und vorsichtig, nimmt den Leser mit in die lebensbedrohliche Geschichte der Ukraine zwischen kommunistischer Revolution und Besetzung durch Nazideutschland und schält langsam das ergreifende Schicksal ihrer Familie heraus. Letztendlich kann sie so auch ihre Mutter mit neuen Augen betrachten.

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in der Bibliothek verfügbar ist, klicken Sie bitte hier.

Advertisements

Buchtipp: „Hippiesommer“ von Inge Kutter

hippiesommerElena ist Ende 20  und als Unternehmensberaterin rund um die Uhr im Arbeitsstress. Für sie zählen nur Leistung und Erfolg. Als sie über Weihnachten ihre Eltern im ländlichen Bayern besucht, erleidet sie einen Zusammenbruch: Burnout. Nun sitzt sie in einem Klinikzimmer und blickt zurück in ihre Vergangenheit: in ihre wilde und unbeschwerte Kindheit mit den Hippie-Eltern, in ihre leichte und freie Jugend mit der ersten Liebe. Und langsam nähert sie sich dem Punkt, an dem sich ihr Leben plötzlich verändert hat und der letztendlich zu ihrem Zusammenbruch geführt hat.

Dies ist ein eher ruhiges Buch, das Gegenwart und Vergangenheit nur aus Elenas Sicht beschreibt. Zum Schluss hat man aber die begründetet Hoffnung, dass sich Elenas Leben zum Besseren verändern wird.

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in der Bibliothek verfügbar ist, klicken Sie bitte hier.

Buchtipp: „Hausbesuche“ von Stephanie Quitterer

rotkapiStellen Sie sich vor, es klingelt an Ihrer Wohnungstür und vor der Tür steht eine wildfremde junge Frau mit einem selbstgebackenen Kuchen in der einen und einem Rotkäppchenkorb voller Tee und Kaffee in der anderen Hand, die jetzt und sofort mit Ihnen in Ihrer Wohnung ein Kaffeekränzchen abhalten möchte. Einfach so, um Sie kennen zu lernen und ein wenig mit Ihnen zu plaudern. Würden Sie die Tür schnell wieder schließen? Oder würden Sie die fremde Person in Ihre Wohnung lassen? Sie denken jetzt: „Egal, das macht doch sowieso keiner“? Weit gefehlt, denn Stephanie Quitterer hat genau das gemacht, in Berlin, in ihrem Kiez, und sie hat darüber erst in einem Blog berichtet und dann ihre Erlebnisse in einem Buch veröffentlicht.

Und auch wenn ich nicht die geringste Ahnung habe, ob ich selbst im Falle eines solchen Besuchs eher panisch oder cool reagiert hätte – ich hatte viel Spaß an den Erlebnissen von „Rotkapi“ (wie sie sich während ihrer Aktion genannt hat). Mit viel Selbstironie  und in einem locker-flockigen Stil beschreibt Quitterer, wie sie überhaupt auf die Idee gekommen ist (eine Wette) und was sie so alles erlebt hat (jede Menge Skurriles). Und sozusagen als Topping liefert sie noch mit jedem Kapitel ein Rezept ihrer selbst gebackenen Kuchen, mit denen sie sich auf den Weg zu ihren unbekannten Nachbarn gemacht hat –  zum Nachbacken geeignet!

Also: Lesen, Backen, Nachmachen!

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in der Bibliothek verfügbar ist, klicken Sie bitte hier.

Buchtipp: „Rabenfrauen“ von Anja Jonuleit

rabenfrauenDas Thema dieses sehr packenden Romans ist das Schicksal einer jungen Frau, die in den Bann der christlichen Sekte „Colonia Dignidad“ gerät, für diese Gemeinschaft ihr Leben in Deutschland hinter sich lässt und alle Brücken hinter sich abreißt. Die Autorin hat umfangreiche Hintergrundrecherchen für ihr Buch durchgeführt, war selbst in Chile und hat mit ehemaligen Sektenmitgliedern gesprochen. Dieser reale Hintergrund macht die Geschichte umso beklemmender.

Zum Inhalt: Die Freundinnen Ruth und Christa lernen im Sommer 1959 Erich kennen, der zu einer Gruppe freikirchlicher Christen gehört. Beide verlieben sich in ihn, aber nur Christa gerät dadurch immer mehr in den Bann der Freikirchler, bis sie schließlich ihre Heimat verlässt und mit Erich und „Onkel Paul“ (dem Sektenführer Paul Schäfer) nach Chile auswandert – das Schicksal beider Freundinnen verändert sich für immer.

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Ruth, Christa und Ruths Tochter Anne erzählt. Dabei wird deutlich, wie perfide das totalitäre Sektensystem der „Colonia Dignidad“ funktioniert hat, das mit Hilfe von Ausbeutung, Bespitzelung, psychischem Druck und physischer Gewalt seine Mitglieder auf Linie gebracht und sie nach und nach ihrer persönlichen Würde beraubt hat.

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in der Bibliothek verfügbar ist, klicken Sie bitte hier.

Buchtipp: „Fette Fee“ von Claudia Brendler

feeSie haben Lust auf einen etwas anderen Frauen- und Familienroman, der amüsant ist und trotzdem nicht nur an der Oberfläche bleibt? Hier ist er: „Fette Fee“ handelt von der wenig erfolgreichen Komikerin Jill, die – pleite und auf der Suche nach einem Engagement  – bei ihrem Exfreund Armin kurzzeitig Unterschlupf sucht und dort auf dessen 15jährige Tochter Felicia trifft, einen mürrischen, übergewichtigen Teenager mit Mobbing-Problem und einem Hang zu Fantasy-Geschichten. Es ist nicht gerade Sympathie auf den ersten Blick, doch Jill freundet sich allmählich mit Felicia an und beginnt, deren Leben umzukrempeln. Allerdings handelt sie nicht uneigennützig, denn ihre Erfahrungen lässt Jill – nur wenig kaschiert – in ihr neues Bühnenprogramm einfließen. Und so kommt, was kommen muss: ein unschöner Eklat. Und danach doch noch ein schönes und fröhliches Ende, so dass man das Buch mit einem zufriedenen „Hach“ zuklappen kann.

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in der Bibliothek verfügbar ist, klicken Sie bitte hier.

Buchtipp: „Wald“ von Doris Knecht

waldEin intensiver Roman mit Nachwirkung, der mich erst ganz langsam und dann immer stärker in seinen Bann gezogen und mein Herz für seine Hauptfigur Marian geöffnet hat. Marian, die im Haus ihrer verstorbenen Tante in einem kleinen Ort im österreichischen Voralpenland Zuflucht gefunden hat, allein und auf sich selbst zurückgeworfen. Marian, die früher ein ganz anderes Leben geführt hat, nämlich das einer erfolgreichen und wohlhabenden Geschäftsfrau in Wien. Marian, die im Zuge der Weltwirtschaftskrise alles verloren hat und nun als Selbstversorgerin, fast ohne Geld, von der Hand in den Mund lebt – ihre Lage bessert sich erst, als Franz, ein örtlicher Großbauer, in ihr Leben tritt und sie mit dem Nötigsten versorgt. Marian ist eine überaus starke Frau, und am Ende des Buches scheint sicher, dass sie ihren Platz im Leben wieder finden wird – und vielleicht sogar zufriedener und glücklicher wird, als sie es vorher war.

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in der Bibliothek verfügbar ist, klicken Sie bitte hier.

Buchtipp: „Die Lebenden und Toten von Winsford“ von Hakan Nesser

nesserIn dem psychologischen Thriller erzählt die 55jährige Maria, welche Geschehnisse sie und ihren Hund mitten im Winter in ein kleines, abseits gelegenes Cottage in Exmoor geführt haben. Während sie mit depressiven Stimmungen und der Einsamkeit in der kargen Heidelandschaft kämpft, enthüllt sie nach und nach die Geschichte ihres Lebens und ihrer kaputten Ehe mit dem Schriftsteller Martin Holinek. Seltsame, unerklärliche Dinge passieren um Maria herum, und sie fühlt sich immer mehr verfolgt – bis sie schließlich ganz am Ende doch noch von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

Der Autor deutet vieles nur an und lässt so eine latent unheimliche Stimmung entstehen, die durch die Beschreibung der tristen winterlichen Heidelandschaft noch intensiver wird. Und obwohl der Grund für Marias Flucht schon sehr früh beschrieben wird, bleibt es dennoch spannend bis zum Schluss.

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in Bibliothek vorhanden ist, klicken Sie bitte hier.

Stand Up! Lesung mit Julia Korbik

Am Dienstag, 10. März 2015, liest Julia Korbik aus ihrem Buch „Stand Up! Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ in der Stadtbibliothek im Glashaus.

9783954030446_200Noch ein Buch zum Thema Feminismus? Nein, STAND UP! ist das erste Buch für die junge Generation, das informieren und aufklären will, über die Geschichte und die Gegenwart des Feminismus, ohne Bauchnabel-Perspektive und Selbstbespiegelung, das erste Buch für junge Frauen um die 20, die gerade von der Schule kommen und denen (scheinbar) die Welt offen steht. Es ist ein Reiseführer durch den Feminismus-Dschungel, ein Aufklärungsbuch voller Fakten und Daten, Interviews und Popkultur-Tipps mit Infografiken und Illustrationen, ein Buch, das den jungen Frauen zeigen soll, wo wir heute stehen und was es noch zu tun gibt. STAND UP! ist ein cooles, radikales Manifest für den Feminismus, hier können Anfänger einsteigen und Fortgeschrittene noch Neues finden und Altbewährtes wiederentdecken.

Julia Korbik wurde 1988 im Ruhrgebiet geboren. Das Kompliment von einem Sportlehrer, sie mache Liegestützen so gut wie ein Junge, fand sie schon in ihrer Schulzeit daneben. Später ärgerte sie sich über Leselisten, die nur männliche Autoren enthielten.

Julia Korbik DSC_0164_a360

Julia Korbik, Foto © Lars Mensel

 

In Frankreich und Deutschland studierte Julia Korbik European Studies, Kommunikationswissenschaften und Journalismus. Sie arbeitete für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und ist heute Redakteurin bei The European, wo sie eine regelmäßige feministische Kolumne schreibt. Sie ist außerdem im Berliner Lokalteam von „Cafebabel.com“ aktiv und schreibt in ihre Blog „Frau Korbik“ über Feminismus und Phänomene des Alltags.

Ihr Buch „Stand Up! Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ ist im Mai 2014 im Verlag Rogner & Bernhard erschienen und kann auch in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden.

Wann:
Dienstag, 10. März 2015 um 19.30 Uhr

Eintritt und Vorverkauf:
6,- €  im Vorverkauf,
8,- € an der Abendkasse,
Ermäßigt:   4,- €  (Herten-Pass, SchülerInnen, StudentInnen)
VVK im Glashaus und in der Buchhandlung Droste, Herten.

Die Lesung findet im Rahmen der Frauenkulturtage statt und ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadtbibliothek im Glashaus und der kfd (Katholische Frauenarbeitsgemeinschaft Deutschlands) St. Antonius Herten.

Buchtipp: „Da gewöhnze dich dran“ von Vanessa Giese

gieseDie 30jährige Nessy verlässt ihren Freund und das Sauerland und macht sich hinaus in die weite Welt, um zukünftig in Dortmund zu leben und zu arbeiten. Das Schicksal führt sie nach Dortmund-Hörde in ein mehrstöckiges Mietshaus, und schon ist sie mitten im Ruhrgebietsleben, mit Büdchen anne Ecke, neugierigen, aber netten Nachbarn, jeder Menge BVB-Fans und zu guter Letzt auch einer neuen Liebe. Die Autorin erzählt recht amüsant und mit viel Lokalkolorit über die Versuche Nessys, im Pott heimisch zu werden – und sie schöpft wohl auch aus eigener Erfahrung, denn auch sie kam aus dem Sauerland nach Dortmund und hat ihr Herz an das Ruhrgebiet verloren. Wer mehr von Vanessa Giese lesen möchte, dem sei Ihr Blog „Draußen nur Kännchen“ empfohlen, in dem sie als „Frau Nessy“ bloggt.

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in der Bibliothek verfügbar ist, klicken Sie bitte hier.

Buchtipp: „Funny girl“ von Anthony MacCarten

funnygirlAzime lebt als Tochter kurdisch-türkischer Einwanderer in London und träumt von einem anderen Leben, als es sich ihre traditionell denkenden Eltern für sie vorstellen. Sie widersetzt sich erfindungsreich den Bemühungen ihrer Mutter, einen passenden Ehemann für sie zu finden. Sie arbeitet ziemlich lustlos in der Möbelhandlung ihres Vaters. Und sie steht, verhüllt mit einer Burka,  erfolgreich als erste muslimische Standup-Comedian auf der Bühne, gesegnet mit einem guten Gespür für Witz und Komik. Natürlich macht sie sich damit nicht nur Freunde, sie wird sogar bedroht, aber Azime nimmt den Kampf auf … Der Autor schildert die Entwicklung Azimes mit viel Humor und Sympathie, so dass man die junge Frau gerne mal kennen lernen würde.

Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch in der Bibliothek verfügbar ist, klicken Sie bitte hier.