Schlagwort-Archive: Lieblingsbuch

Buchtipp: „Liebe Fanatiker“ von Markus Tiedemann

fanatikerNur zufällig bin ich in der Bibliothek über dieses kleine Buch gestolpert, der Titel schien mir widersprüchlich, und der Untertitel „Gegen extreme Überzeugungen“ machte mich neugierig: wie wären die Argumente wohl formuliert? Ironisch? Emotional? Sachlich? Nur kurz reinschauen wollte ich, und dann habe ich mich mit steigendem Interesse festgelesen. In 33 kurzen Briefen werden religiöse und ethische Grundfragen erläutert, wie zum Beispiel „Gibt es einen Gott oder gibt es keinen?“, „Wieso tun sich Religionen so schwer mit der Gleichberechtigung?“ oder „Kann ein Atheist ein guter Mensch sein ?“ Wer jetzt denkt „Oh, schwere Kost“, liegt damit völlig falsch.  Zwar werden Thesen hinterfragt, mögliche Lösungen und Antworten erörtert und extreme und fanatische Glaubenshaltungen mit sachlichen Argumenten widerlegt, aber das Ganze geschieht so leicht, unterhaltsam und gut verständlich, dass das Mitdenken überhaupt nicht schwer fällt.

Unterm Strich wirbt der Autor, der als Professor für Philosophiedidaktik und Ethik an der TU Dresden lehrt, für Offenheit und Toleranz Andersdenkenden gegenüber und entzieht religiösem Fanatismus gleich welcher Couleur den Boden. Die Briefe wurden übrigens bereits 2015 als Serie in der „Frankfurter Rundschau“ veröffentlicht.

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Buchtipp: „Lesen“ von Steve McCurry

Lesen ist „Eine Leidenschaft ohne Grenzen“, so der Untertitel des wunderschönen Bildbandes. Denn überall auf der Welt gibt es Menschen, die das Lesen lieben – und der Magnum-Fotograf Steve McCurry hat im richtigen Augenblick seine Kamera gezückt und den Moment festgehalten. Die so entstandenen Fotos zeigen lesende Menschen in allen denkbaren Variationen. Sie lesen in Gesellschaft oder allein, an gewöhnlichen oder ungewöhnlichen Orten, im Stehen, im Liegen, im Sitzen. Sie lesen Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften, sie lesen anderen vor oder nur für sich allein. Und bei allen fragt man sich unwillkürlich, was sie wohl gerade beim Lesen empfinden: sind sie ergriffen, atemlos, amüsiert? In einer anderen Welt oder ganz im Hier und Jetzt? Traurig oder glücklich? Empört oder gelassen? Mich haben die Bilder auf jeden Fall froh gemacht, weil es so viele Menschen auf der Welt gibt, die genau so gerne lesen wie ich 🙂

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Und wer noch mehr schöne Fotos von Steve McCurry sehen will, sollte unbedingt seine Homepage besuchen!

DVD-Tipp: „Death of a Superhero“

Superhero_DVDWenn ein Buch verfilmt wird, ist es bei mir oft so, dass ich entweder nur das Buch oder nur den Film mag. Der Film, den  ich hier vorstelle, hat mich so fasziniert, dass ich mir direkt auch die Buchvorlage zu Gemüte geführt habe – und nun kann ich mich nicht entscheiden, ob mir Buch oder Film besser gefallen haben.

Der Inhalt: Der 14jährige Donald will endlich wissen, wie das ist mit der Liebe, den Mädchen und dem Sex. Aber er hat nicht mehr viel Zeit, denn er ist todkrank – Krebs. Da sitzt er nun mit seinen besorgten Eltern, seinem merkwürdigen Psychologen, seinem außergewöhnlichen Zeichentalent und seinem Hunger auf’s Leben und geht zur Chemotherapie statt auf Parties. In seinen selbstgezeichneten Comics hat er als Superheld einen Schlag bei den Frauen und kämpft erfolgreich gegen seinen Todfeind. Im richtigen Leben lernt er das Mädchen Shelly kennen und verliebt sich in sie – aber das richtige Leben ist viel komplizierter als die Comicwelt. Und seine Krankheit macht die Bewältigung seiner Probleme auch nicht gerade einfacher …

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Das Buch ist eher ein Drehbuch als ein fortlaufender Roman, es gibt entsprechende Szenenbeschreibungen und Dialoge. Es geht auch mehr in die Tiefe als der Film. Passend zur Handlung sind immer wieder Szenen aus Donalds Comic um den Superhelden MIRACLEMAN eigestreut. Diese Comicszenen kommen im Film natürlich viel besser rüber, sie sind sozusagen ein Film im Film.  Außerdem konzentriert sich der Film auf die wichtigsten Handlungsstränge und lässt manche Szene aus dem Buch einfach weg, ohne allerdings die Kernaussagen zu beeinträchtigen. Alles in allem überzeugen sowohl Buch als auch Film gleichermaßen, jede Form mit den ihr eigenen Mitteln.

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Buchtipp: „Das große Los“ von Meike Winnemuth

winnemuthWer hat denn noch nie von einem plötzlichen Geldgewinn geträumt und sich ausgemalt, was er oder sie damit anfangen würde? Für die Hamburger Journalistin Meike Winnemuth wurden diese Träume plötzlich ganz real, als sie im Jahr 2010 bei „Wer wird Millionär?“ 500.000 Euro gewann. Und so ließ sie ein Jahr lang ihr gewohntes Leben hinter sich und verbrachte jeweils einen Monat in 12 Weltstädten. In Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba und Havanna sammelte sie neue Erfahrungen, traf auf interessante Menschen, lernte neue Dinge (z.B. Ukulele spielen, Tango tanzen oder sticken) und genoß das so unterschiedliche Alltagsleben mal mehr, mal weniger. Ihre Erlebnisse fasste sie zunächst in einem Blog zusammen und brachte sie 2013 dann als Buch heraus.

Und dieser Reisebericht hat mich umgehauen und sich spontan einen Platz unter meinen Lieblingsbüchern erobert. Die Autorin schreibt mit solcher Begeisterung, Ehrlichkeit und Warmherzigkeit, dass ich spontan große Lust bekam, ebenfalls loszureisen und fremde Länder zu entdecken, neue Menschen kennen zu lernen und neue Erfahrungen zu machen. Denn die Botschaft lautet: Träume kann man oft viel einfacher verwirklichen als man denkt, man muss es einfach nur angehen. Meike Winnemuth jedenfalls hätte die Gewinnsumme gar nicht gebraucht, um ihren Traum zu leben …

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Buchtipp: „Literatur!“ von Katharina Mahrenholtz und Dawn Parisi

LiteraturWussten Sie, dass Marcel Proust das Haus nie ohne seinen Pelzmantel verließ, aber trotzdem an einer Lungenentzündung starb? Dass bei „Hamlet“ am Ende die Bühne voller Toter ist? Daß Stefan Zweig,  der Autor der „Schachnovelle“, in Wirklichkeit nicht allzu viel Ahnung von Schach hatte? Dass „Ulysses“, das komplizierte Hauptwerk von James Joyce, direkt nach seinem ersten Erscheinen in einer amerikanischen Zeitschrift im Jahr 1918 wegen Obszönität verboten wurde? Diese und andere skurille, aber auch informative Häppchen aus der Welt der Literatur sind in oben genanntem  Buch zu finden – neben kurzen Inhaltsangaben von wichtigen Büchern aus der europäischen und amerikanischen Luteraturgeschichte, Autorenporträts und jeder Menge witziger Illustrationen. Die Lust auf’s Lesen soll dadurch befördert werden, und das gelingt richtig gut! Denn lebensnahe Lesempfehlungen auch für Einsteiger runden die Einträge ab (z.B. „für Weltliteratur erstaunlich actionreich“ über „Sturmhöhe“ von Emily Bronte). Darüber hinaus gibt es noch grafische Einschübe zu wichtigen Literaturauszeichnungn, Pseudonymen,  Lebensalter und Todesarten von Schriftstellern (!), den Bestsellermarkt, …

Also: eine dringende, uneingeschränkte Empfehlung für alle Freunde der Literatur und solche, die es werden wollen!!!

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Buchtipp: „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ von Rachel Joyce

Dieser Roman ist eindeutig mein Lieblingsbuch des Jahres 2012, die Geschichte ist wunderschön, liebevoll erzählt und ging mir sehr zu Herzen.

Der Rentner Harold Fry lebt ein scheinbar langweiliges und belangloses Leben mit seiner Frau Maureen, als ein Brief einer an Krebs erkrankten früheren Arbeitskollegin sein Leben verändert. Eigentlich will er nur seinen Antwortbrief einwerfen, doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und hat plötzlich die Idee, zu Fuß in das 600 Kilometer entfernten Hospiz zu laufen, um Queenies Tod aufzuschieben. Er ist noch nie eine längere Strecke gegangen, trägt nur Segelschuhe und hat keinerlei Ausrüstung dabei. Auf seinem Weg macht er viele neue Erfahrungen und lernt ganz unterschiedliche Schicksale verschiedener Personen kennen. Traurige Erinnerungen an seine Kindheit, seine Ehe, seinen Sohn und an viele verpasste Chancen steigen hoch. All das verändert ihn langsam. Da auch Maureen anfängt an, über ihr Leben und ihre Ehe nachzudenken und sich zu verändern, verlässt man die Protagonisten am Ende des Buches mit einem hoffnungsvollen Gefühl.

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Buchtipp: „Apfeldiebe“ von Michael Tietz

Was mag wohl passieren, wenn 5 ganz unterschiedliche Jungs zwischen 8 und 14 Jahren tagelang in einer ausweglosen Situation auf engem Raum zusammengepfercht und aufeinander angewiesen sind? Michael Tietz gibt in seinem Buch eine eindrucksvolle und beklemmende Vorstellung davon.

Die 5 Jungs spielen in einer unterirdischen Kammer einer Burgruine Ritterspiele, als plötzlich die Decke einstürzt und den Ausgang versperrt. Keiner weiß, wo sie sind, deshalb ist die Rettung mehr als ungewiß. Die Jungen sind in dieser Ausnahmesituation des Überlebenskampfes massiv mit ihren Stärken und Schwächen konfrontiert, und die scheinbar starre Rollenverteilung innerhalb der Gruppe verändert sich langsam. Ein Vergleich mit dem Roman „Der Herr der Fliegen“ von W. Golding drängt sich auf, wo ebenfalls eine (größere) Gruppe Jungen auf einer Insel ums Überleben kämpft und wo sich ebenfalls Gruppenstrukturen entwickeln und verändern. Alles in allem ein spannendes, aber auch bedrückendes Buch, das zu lesen sich unbedingt lohnt.

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Buchtipp: „Auf die Länge kommt es an“ von Florian Meimberg

Sie glauben, 140 Zeichen reichen nicht für eine Geschichte? Florian Meimberg beweist das Gegenteil. In seinem Buch findet man Kürzestgeschichten im Twitterformat, die mit wenigen Wörtern ganze Welten erschließen. Die „Tiny Tales“, wie sie im Untertitel genannt werden, beginnen meist harmlos und führen die eigene Vorstellung oft in die falsche Richtung, um dann mit verblüffenden und witzigen Auflösungen zu begeistern.

Mehr darf an dieser Stelle wirklich nicht verraten werden, der Genuß jedoch ist garantiert!

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Buchtipp: „Das Labyrinth der Wörter“ von Marie-Sabine Roger

Auch wenn dieser warmherzige Roman schon etwas länger auf den Bestsellerlisten steht, soll er hier unbedingt vorgestellt werden. Denn die Geschichte um die wundersame Freundschaft zwischen dem ungebildetetn und schwerfälligen Arbeiter Germain und der belesenen, zierlichen,  alten Dame Margueritte ist sehr berührend und zaubert beim Lesen unwillkürlich ein Lächeln auf die Lippen.

Germain ist vom Leben nicht gerade verwöhnt. Ohne Schulabschluss und Beruf haust er in einem Wohnwagen und baut Gemüse im Garten an. Als er im Park die zierliche und kluge Margueritte kennen lernt, beginnt sich sein Leben zu verändern. Denn die alte Dame weckt in ihm die Lust zum Nachdenken und die Begeisterung für Romane, aus denen sie ihm vorliest. Damit hat Germain eigentlich nicht gerechnet, doch er lässt sich auf die neuen Erfahrungen ein und stellt fest, dass sich sein Leben allmählich immer besser anfühlt.

Der Romanwurde mittlerweile auch verfilmt, mit Gerard Depardieu in der Hauptrolle.  Allerdings hat die Geschichte deutlich mehr Zauber, wenn man sie liest. Vor allem die langsame Veränderung Germains bekommt im Buch einen breiteren Raum als im Film.

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Buchtipp: „Acht Wochen verrückt“ von Eva Lohmann

Mila ist Mitte 20, als sie in die „Klapse“ kommt. So nennt sie die Klinik für psychosomatische Erkrankungen, in die sie wegen völliger Erschöpfung eingewiesen wurde. Ihr Job hat sie krank gemacht, ihr ganzes Leben erscheint ihr sinnlos – aber ist sie deshalb wirklich verrückt? Und kann sie unter all den anderen Verrückten überhaupt wieder gesund werden?

Die Autorin lässt ihre sehr sympathische Heldin klarsichtig und  undramatisch, aber nicht verharmlosend von ihrer Krankheit und vom Klinikalltag erzählen. Lesend begreift man Milas Probleme und erlebt ihre Lösungsversuche. Man begegnet auch anderen kranken jungen Menschen mit Magersucht, Bulimie, Burnout-Syndrom und Depressionen verschiedenster Ursache. Nach 8 Wochen Aufenthalt hat Mila eine neue Perspektive für ihr Leben gefunden und kann gestärkt wieder nach Hause zurückkehren.

Das Schöne an dem Buch ist, dass Mila eigentlich immer den Kopf oben behält, unkompliziert und unbekümmert mit ihrer Krankheit umgeht und sich ihren Problemen stellt. Das vermittelt Hoffnung, und die kann jeder brauchen, der mit Burnout oder Depressionen zu kämpfen hat.

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